Zwischen den Zeilen

von Helene Rahms, Mein Leben als Journalistin im Dritten Reich.
Man könnte fast Verständnis aufbringen, wenn nicht VERBORGENER Zynismus zwischen den Zeilen erscheint. Der Jugend wird der Inhalt ans Herz gelegt, das alltägliche Leben der Helene Rahms, einer Deutschen im Dritten Reich.

Helene Rahms, Jahrgang 1918 schreibt ihre Erinnerungen als junge ehrgeizige Journalistin im Dritten Reich. Vorerst als Volontärin bei der bürgerlichen Saale Zeitung, als „Kriegsdienstverpflichtete“ lernt sie „unverfänglich“ zu schreiben. Über Elisabeth Noelle Neumann konnt sie in die Reichshauptstadt Berlin zur Redaktion „Das Reich“.

„Mit wenigen Federstrichen lässt Helene Rahms Stimmung und Licht, Farben und Gerüche, das Lebensgefühl der dreißiger und vierziger Jahre wieder auferstehen. Ein sehr persönliches und politisches Buch von großem Format, spannend zu lesen wie ein Roman.“ weiß der einführende Text zu berichten.

„Die Flugkapitänin Hanna Reitsch, die Fotografin Leni Riefenstahl, die altdeutsch bezopfte Frauenschaftsleiterin Gertrud Scholtz-Klinik, die Hitler ihre organisatorischen Fähigkeiten aufdrängte, obschon er sie haßte, die BdM Führerin Clementine zu Castell, die in weißen Uniformcape auftrat wie ein General, wer hätte sie emanzipiert nennen wollen, obwohl sie es insgeheim waren?“ Höre ich aus diesen wenigen Zeilen leise Bewunderung?

„Meine Beiträge waren weniger mutig, vermieden alle politischen Motive. ES waren zeitlose Landschaftsidyllen, Naturbeobachtungen, Alltagsbegebenheiten, die in der Sparte „Aus den Ländern“ als hübsche „Füller“ geschätzt wurden.“
Waren diese Füller der Stoff aus dem faschistische Ideologie gewoben wird?

Ein Dokument aufrichtiger und nachvollziehbarer als das meiste, was uns über das Leben unter Naziherrschaft erzählt worden ist. Wie ist es gewesen, das alltägliche Leben der Deutschen im Dritten Reich? Das Leben derer, die keine Widerstandskämpfer, aber auch keine überzeugten Nazis waren, die nicht ins Exil gingen und doch sehnlichst auf das Ende der schrecklichen Zeiten warteten?

War das Leben als Journalistin für die Wochenzeitung „Das Reich“ alltäglich?

Helene Rahms, Journalistin und schon damals wache Zeitzeugin berichtet – ohne Nachsicht, aber auch ohne Selbstverfleischung. Ein persönliches, ein subtiles Buch, spannend zu lesen wie ein Roman. Eine Entdeckung gerade für jüngere Leser. Und ein politisches Buch von großem Format.

Subtil erscheint die Verniedlichung des autoritären Regimes, die Darstellung von Käuflichkeit und Angst vor der Verantwortung. Es klingt so einleuchtend, so ehrgeizig und so kalt den Opfern gegenüber. Das Buch ist Rechtfertigungsstrategie auf höchstem Niveau. Wer mit Wörtern umgehen kann, kann vieles umgehen, auch die Konfrontation mit der eigenen Feigheit.

Opportun ist was gefällt, auch Zynismus.

Marina Grogger

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