Tänzeln und Tanzen
Meine Nichte brauchte eine Fahrgelegenheit und die Tante eine Gelegenheit zum Fahren. So fuhren wir mit einer gleichaltrigen Freundin von ihr los, zum Dorffest nach Kaprun. Selbstverständlich ging sie nicht alleine zum Dorffest, denn bekanntermaßen gehen Mädchen in diesem Alter gleichzeitg in den Waschraum und kommen einträchtig wieder zurück. Und ich? Ich war nicht zum Mitgehen aufs Dorffest eingeplant, keineswegs. Ich war die Garantie, problemlos nachts nach Hause zurück kehren zu können und weiters Garant für eine beschwerdefreie verspätete Ankunft zuhause bei den Eltern. Die Mädchen verabschiedeten sich mit einem “Bís später!”, was sollte ich nun mit den vielen Stunden in einem Dorf, dessen Dorffest ich nicht besuchen wollte, tun? Ich nahm im leeren Kaffeehaus an einem runden Tischchen Platz und begann Gedichte zu malen, auf dem Biertatzerl. Bis der Kellner sich von seiner Flamme, einem jungen Mädchen das bei ihm an der Bar gesessen hatte, trennen konnte und einen Bierzettel sprich Bierblock vorbei brachte. Bei dieser Gelegenheit frage ich mich, warum ein Block, der zum Bekritzeln allerei Getränkearten benutzt wird, Bierzettel genannt wird. Gebe mir sofort die Antwort: Weil die damals noch regionalen mittlerweile von global players aufgekauften Brauereien die Blocks spendiert hatten. Dazu kamen manchmal Melodiefetzen von draussen herein und das Lachen vorbeiziehender Gruppen inspirierte zum Weiterschreiben. Ich war alleine im Cafe, das Ergebnis möchte ich heute einem Freund widmen! Danke für die Unterstützung khnemo! Wie könnte es bei einem Dorffest oder Bierzelt anders sein, der erste Titel heisst: Tändeln und Versuchen beim Dorffest.
Runde Takte zum Tanzen
Mädchen strawanzen.
Lieder zum Hören,
erwartungsvoll, Gören.
Licht zum Verlieben,
Buben zu kriegen.
Melodien zum Schwingen,
Girlies zum Singen.
Männer zum Posen,
Biergläser stoßen.
Texte zum Träumen,
Kellner, die räumen.
Mengen zum Trinken
Teenager winken.
Alle zusammen,
Zunder vorm Flammen.
Dieses Gedicht hieß dann ab sofort “Meiner lieben Mietzitant”, so wurde ich von meiner Nichte genannt.
Geil,
heil,
steil am Seil.
Sagt die Mitzi zu der Tant.
Mizzitant, warum sind die andern ohne Gwand?
Als die beiden Mädchen schon mehrmals getanzt hatten, kamen sie im Cafe vorbei und luden die einsame Mizzitant zum Mittanzen ein. Das Tanzen hatte wiederum neue Perspektiven auf die Jugendlichen eröffnet. Die folgenden Worte liebe ich sehr, weil mir sofort die Augen der Tanzenden in den Sinn kommen. Ich höre das Lachen, das Necken, die Bewegungen und die wunderschöne junge Stimmung macht mich augenblicklich froh.
Umworben der Schatz, kein Geheimnis.
Geborgen der Schatz, am sicheren Platz.
Gehätschelt der Schatz, bevorzugt behandelt.
Getätschelt der Schatz, berührt und verborgen.
Liebe ist ein netzartiges Schätzlein,
hundertmal verwoben und verbogen,
erworben und verborgen.
copyright: Marina de Bon