ein hauch von traurigkeit

Manchmal ist es schwierig die richtigen Worte für ein Gefühl zu finden.

Heute bin ich traurig, worüber ich gerne schreiben würde, doch die Worte fehlen,  sie sind nicht vorhanden. Ich habe keinen Wortschatz für diese Form der Trauer, die eine Enttäuschung ohne Täuschung ist. Ich würde gerne sagen, ja, genau so, das ist es, aber es ist eben nicht da, das rechte Wort, der passende Satz.

Weil die Traurigkeit das Denken überschattet und dem Wort keine Chance lässt, sich zu entwickeln. Kaum entsteht ein Wort am Fusse der Treppe, kommt ein Stiefel und zerdrückt es. Richtiger Matsch hat sich gebildet, ein Matsch an halbfertigen Worten in einer Lacke von Traurigkeit. Und sie gehen vorüber, die Tritte, nehmen ein E, ein R und ein T mit, als ob dafür nur die geringste Rechtfertigung bestünde. Dabei müssten sie doch stehenbleiben und achtsam den Buchstaben zur Seite schieben, damit sich das Wort in Ruhe entwickeln kann. Lärm entsteht, der sich angesichts des traurigen Gefühls wieder verzieht. Und zurück bleibt der Hauch von Traurigkeit, die Wolke, die ein wenig nach Weihrauch und ausgeblasenem Kerzen riecht.

Ich gehe die Treppe hinauf und ziehe die Spur zertretener Buchstaben mit. Im vierten Stock ist nichts mehr davon zu sehen. Vielleicht ist es zu spüren, am Geländer, da, ein Tropfen Wehmut und schnell das Taschentuch nehmen, wischen und lächeln. Man muss nur in den vierten Stock gehen um der Traurigkeit den Nährboden zu entziehen. Das kann ich gut und traurig einschlafen. Ach wie traurig.

 Ich liebe diesen Text über mein persönliches Traurigsein, den ich am 22. Dezember geschrieben hatte. Die Worte waren immer schon vorhanden, ich fand sie nicht passend und hatte bis zu diesem Tag keinen Ausdruck für Traurigkeit. Mit den Worten hat das Gefühl jenes Gewicht erhalten, das ihm zusteht.

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