das Obstzwergerl
Ich lebe seit einigen Monaten am Hof des Fürsterzbischofs. Einen Platz zum Schlafen, im hinteren Teil des Schlosses, weit genug von den Pferden entfernt. Das freut mich am meisten, denn der Gestank ist beim Schlafen nicht auszuhalten. Obwohl ich seit meiner Kindheit an den Geruch der Tiere gewohnt sein müsste. Die ersten Jahre meiner Kindheit verbrachte ich am Bauernhof in der Nähe von Oberndorf.
Es war eine schlimme Zeit. Wir waren so arm und kein Mensch kann sich heute vorstellen, wie sehr wir um jedes Stück Brot kämpfen mussten. Meine Eltern brachten mich zum Waisenhaus, in der Hoffnung einen Wohltäter für mich zu finden. Ich war zu klein geraten, viel zu klein in den Augen der Großen und damit als Arbeitskraft am Hof völlig unbrauchbar. Dabei konnte ich sehr gut im Garten arbeiten, im Frühjahr die Erdbeeren, wenn die Kirschen von den Bäumen geholt wurden, war ich unendlich geduldig beim Ausklauben. Am liebsten mochte ich den Herbst, die Beeren waren reif und ich hatte immer prall gefüllte Körbe am Abend eines langen Tages im Wald. Meine Körbe konnte ich nicht selbst nach Hause tragen, zumeist war ich zu langsam um mit den Großen mitzulaufen, da entschied man, dass ich weg musste. Endgültig.
Ich lebte einige Zeit in der Pfarre und ging der Haushälterin zur Hand. Sie war eine gütige Frau, leider verstarb sie an einer schweren Lungenentzündung und ich war wieder alleine. Eines Tages kam der Weihbischof zur Visite in die Gemeinde. Wir hatten Firmung und die Mädchen trugen weiße Kleidchen, Blumenkränze im Haar und es war kaum zu glauben, die ansonsten braunen und dreckverschmierten Beine der Burschen steckten in Lederhosen und echten, richtigen Schuhen.
Als der Bischof meiner ansichtig wurde, begann er mit dem Pfarrer zu tuscheln. Vier Tage später wurde ich in einer Kutsche abgeholt, zum Hof des Erzbischofs. Ich war 15 Jahre alt.
