Man nennt mich den Trinker. Klein, frech und trinkfest bin ich. Im Augustinerbräu habe ich mein Auskommen ohne Einkommen. Die Patres geben mir zu essen und genug Bier zu trinken, unterhalte ich doch die Gäste mit meinen Sprüchen und gegen den späten Abend, wenn mir das Reden zu langweilig wird, singen wir Gstanzl.
„Da Baua von Gschwend hot an Grund ohne End,
schaut a aussi vors Haus is da Berg schiaga aus. „
Wir dürfen über die Herrschaften keine Gstanzln singen, nur über das gemeine Volk. Dabei wäre über den Erzbischof und seinen Hof viel zu sagen. Die Feste in Hellbrunn locken Leute aus dem Reich an und seit einigen Monaten sammelt er missgestaltige Zwerge, Absurdes und Ungewöhnliches. Die Menschen im Land hungern, ganz besonders nach der letzen Missernte. Doch das hält den Büttel nicht davon ab, die Steuern einzutreiben. Ich bin glücklicherweise sicher, hier im Brauhaus, doch wer weiß, man munkelt er sammelt eine Zwergengesellschaft für die Wasserspiele in Hellbrunn.
„Und da Bischof von Salzburg is a recht a feina Herr, hot in Grossen und Ganzen koan Sinn für des Gscher. Er mog nur die Kloanen, die Schiachen und die Zwerg, won da Karli des wissen tat, tat a aussasteign vom Berg.“
Der Untersberg Karl, der Kaiser ist damit gemeint. Er wacht seit einigen Jahrhunderten in den tiefen Höhlen des Unterbergs, der weiße Bart wächst um den Tisch und die Tafelrunde schläft. Sollte er aufwachen, ist das Jüngste Gericht nicht mehr fern. Manchmal wünsche ich mir die Schlacht beim Birnbaum auf dem Walserfeld. Sollten sie doch alle verrecken!!
„De Reichn, de Feinen, san a soiche Bagage,
won da Herzog sie ruft, fressens aus der Lavage.
Und saufen wia de Löcha, wia a Fassl ohne Bodn
won i kennt, tat is olle obezahn bei de Ho?n.
Jetzt muss ich wieder vorsichtiger werden. Gestern war einer im Schankraum, der sah aus wie ein Günstling vom Erzbischof. Trank die Hälfte seiner Maß, starrte mich an und verschwand wieder. Das bedeutet nichts Gutes.
