auf den Spuren von Thomas Bernhard I

„Es ist ein ständiges zwischen allen Möglichkeiten eines menschlichen Kopfes Denken und zwischen allen Möglichkeiten eines menschlichen Hirns Empfinden …“

Der Gehweg beginnt an Thomas Bernhard`s Wohnhaus, führt an Wiesen vorbei, schlängelt sich durch den Wald und endet wiederum am Bauernhaus. Die Sessel markieren die Raststätten des Denkens, der Weg der für die Landessausstellung 2008 gemacht wurde, heißt gehen denken, Thomas Bernhard Weg. Der Sessel mit der Nummer 10 lädt zum Philosophieren über das Hirn, dem Sitz allen Tuns ein.

Thomas Bernhard und seine ironische Bewertung des Alltags. Die handelnden Personen in seinen Dramen, Erzählungen und Romanen erkennen sich sofort wieder und doch nicht. Mit Erschrecken oder Erstaunen stellen sie fest, so war der Mensch, den ich kannte, in Wirklichkeit doch gar nicht. Sie reagieren mit Trotz und Zorn kommt auf, weil Geschriebenes doch stimmen müsse. Es ist auch richtig und wahr, jedoch aus der Sicht eines anderen, eines Schreibenden.

Sessel Nummer 9 beschreibt also in gewohntem Spott und wenigen, sehr prägnanten Sätzen den Arbeitsalltag zweier Berufsgruppen, deren Alltag eng verbunden war, jener der Bierführer und Wirtinnen.

Aus der Sicht Thomas Bernhards, wohlgemerkt.

 “Eine Bierführerexistenz sein, dachte ich, und Tag für Tag Bierfässer auf- und abladen und durch die Wirtsvorhäuser Oberösterreichs rollen und mit all diesen verkommenen Wirtinnen immer wieder zusammensitzen und jeden Tag todmüde ins Bett fallen, dreißig Jahre, vierzig Jahre lang.“

Mit exakt dieser ironischen Betrachtung der Menschen seiner Umgebung hat er sich keine Freunde gemacht. Die Existenzen können real zugeordnet und identifiziert werden. Nicht immer sind sie mit seiner Kategorisierung von Lebenssinn und Bewertung des Alltags einverstanden. Eine Diskrepanz von literarischer und realer Existenz, Selbst- und Fremdbild  oder um es mit Paul Watzlawick auszudrücken. „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“

Heute hatte ich nachgelesen, dass der WEG keinesfalls gedacht war, sich auf die Spuren von Thomas Bernhard zu machen. Ich bleibe bei meinem Titel, möchte ich doch am Wochenende das Thomas Bernhard Museum in St. Veit im Pongau und das Symposium besuchen.

copyright: Fotos: Bildkarten vom Thomas Bernhard Weg, gehen denken. Texte aus Thomas Bernhards: Der Untergeher; Thomas Bernhards: Gehen.

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