Es war einmal eine Frau, die in der lauten, lebhaften Stadt mitten unter Millionen von Menschen lebte. Tag für Tag ging sie morgens aus dem Haus und kam abends zurück. Ihre Schuhe waren mit den Jahren flacher geworden und die Jacken schöner und teurer. Kein Mensch kam jemals an die Wohnungstür, niemand läutete die Klingel, war sie doch den ganzen Tag über nicht zuhause.
Eines Morgens, als sie eben das Haus verließ, wurde sie auf einen Klang aufmerksam. Ein zartes Stimmchen piepste, ein Lied, das man kaum hören konnte. Sie schüttelte den Kopf und ging weiter. Bald hatte sie den seltsamen Ton vergessen. Am nächsten Morgen machte sie sich wieder auf den Weg zur Arbeit. Eben war der letzte Knopf des Mantels geschlossen, da war er wieder der Ton, dieses Mal ein wenig lauter. Ein leichtes Kopfschütteln und sie bewegte sich schnell Richtung Parkplatz und stieg in ihr Auto. Der Klang war nicht abzuschütteln, irgendwie blieb er im Ohr.
Als sie am nächsten Morgen auf die Straße trat, begann sie sich umzuhören und siehe da, die Melodie war da, der vertraute Klang zauberte ein sanftes Lächeln in ihr Gesicht. So ging das einige Wochen lang und eines Morgens hatte sie die Idee, die Verursacher dieser reizenden Melodie ausfindig zu machen. So sehr sie sich auch bemühte, niemand war zu sehen. Als plötzlich eine Stimme raunte, „Ich bin es, ich, deine Lebenskraft!“ „Was war denn das? Lebenskraft! Blödsinn!“ Dieser Unsinn mußte sofort aufhören.
Einige Tage später, am Tag vor dem langen Weihnachtsurlaub, ging sie während der Mittagspause zum Eislaufplatz im Zentrum der Stadt, nahe dem Büro, in dem sie täglich arbeitete. Sie sah den Schlittschuhläufern zu, die manchmal leichtfüßig und andere wiederum mühselig ihre Runden drehten.
Da war sie wieder die Stimme. „Das ist Lebenskraft, du mußt sie dir nur nehmen, jeden Tag.“ „Aber ich weiß doch nicht wie das geht, antwortete sie. „Einfach nehmen, ja, das ist das Weihnachtsgeheimnis.“ Und sie verschwand die Stimme, war nicht mehr zu hören.
„Wie soll ich mir die Lebenskraft holen“, fragte sie sich selbst und war neugierig geworden. Der Gedanke daran ließ sie nicht mehr los. Am nächsten Tag, es war der Weihnachtsabend, verließ sie weniger zielstrebig das Haus. „Was sollte sie mit den vielen freien Tagen machen?“ Es dauerte nur wenige Sekunden, bis sie die Melodie im Ohr hören und sich das Bild der Menschen auf dem Eis in Erinnerung rufen konnte. Plötzlich wußte sie, was zu tun war.
Sie kaufte sich ein wenig Lebensfreude, ihr eigenes Weihnachtsgeschenk, weiße Eislaufschuhe mit roten Bändern.