Archiv nach Kategorie "Gesehen und geschrieben"

Der Wächter im Garten

Veröffentlicht in Gesehen und geschrieben, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags , , , am März 8, 2009 von Marina`s Woertaworld

hund-im-garten

Du hütest den Garten,

du seltsames Wesen,

betrachtest Besucher

beim Hasten und Warten.

 

 

Bist klein und wichtig,

im Winter und Sommer,

im Herbst und im Frühling

bewachst du, ganz richtig.

 

Am Weg den sie gehen,

die Alten und Jungen,

berühren dich manche

und bleiben stehen.

 

Betrachten die Spiele,

beäugen das Schloss,

bewundern die Teiche,

der Menschen, so viele.

 

Du Wächter im Garten,

erkennst die Gestalten,

betrachtest Gesichter

beim endlosen Warten.

 

Gibst keinen Laut,

und keine Bewegung,

bist stumm du, im Garten

ein Hund nur, der schaut.

 

copyright: Marina de Bon

 

ein Schlückchen Glühwein …

Veröffentlicht in Gesehen und geschrieben, Lebenskultur mit Tags , , , am Dezember 21, 2008 von Marina`s Woertaworld

Ein Schlückchen Glühwein,
zwei Früchtespiess
wahrlich, es ist nur das Wetter mies.

Zwei Schlückchen Glühwein,
und Zuckerwaffel
Becher um Becher, gestapelt in Staffel.

Ein Schlückchen Glühwein,
Krippe im Landhaus
 dem Eise verschafft die Wärme den Garaus.

Zwei Schlückchen Glühwein,
Kasperl zur Weihnacht,
die Kinder, die Großen, alles gibt acht.

Ein Schlückchen Glühwein,
zwei Schritte tun.
die Knie gerostet vom langen Ruh`n.

Zwei Schlückchen Glühwein,
an Märkten vorbei,
modern, alternativ, der Pracht allerlei.

Ein Glühwein,
kein Most, die Beeren noch warm.
Adventmarkt in Graz, der Ideen nicht arm.

krippe-in-eis

Text und Bild: copyright Marina de Bon

auf den Spuren von Thomas Bernhard I

Veröffentlicht in Gesehen und geschrieben, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags , , , am Oktober 5, 2008 von Marina`s Woertaworld

„Es ist ein ständiges zwischen allen Möglichkeiten eines menschlichen Kopfes Denken und zwischen allen Möglichkeiten eines menschlichen Hirns Empfinden …“

Der Gehweg beginnt an Thomas Bernhard`s Wohnhaus, führt an Wiesen vorbei, schlängelt sich durch den Wald und endet wiederum am Bauernhaus. Die Sessel markieren die Raststätten des Denkens, der Weg der für die Landessausstellung 2008 gemacht wurde, heißt gehen denken, Thomas Bernhard Weg. Der Sessel mit der Nummer 10 lädt zum Philosophieren über das Hirn, dem Sitz allen Tuns ein.

Thomas Bernhard und seine ironische Bewertung des Alltags. Die handelnden Personen in seinen Dramen, Erzählungen und Romanen erkennen sich sofort wieder und doch nicht. Mit Erschrecken oder Erstaunen stellen sie fest, so war der Mensch, den ich kannte, in Wirklichkeit doch gar nicht. Sie reagieren mit Trotz und Zorn kommt auf, weil Geschriebenes doch stimmen müsse. Es ist auch richtig und wahr, jedoch aus der Sicht eines anderen, eines Schreibenden.

Sessel Nummer 9 beschreibt also in gewohntem Spott und wenigen, sehr prägnanten Sätzen den Arbeitsalltag zweier Berufsgruppen, deren Alltag eng verbunden war, jener der Bierführer und Wirtinnen.

Aus der Sicht Thomas Bernhards, wohlgemerkt.

 “Eine Bierführerexistenz sein, dachte ich, und Tag für Tag Bierfässer auf- und abladen und durch die Wirtsvorhäuser Oberösterreichs rollen und mit all diesen verkommenen Wirtinnen immer wieder zusammensitzen und jeden Tag todmüde ins Bett fallen, dreißig Jahre, vierzig Jahre lang.“

Mit exakt dieser ironischen Betrachtung der Menschen seiner Umgebung hat er sich keine Freunde gemacht. Die Existenzen können real zugeordnet und identifiziert werden. Nicht immer sind sie mit seiner Kategorisierung von Lebenssinn und Bewertung des Alltags einverstanden. Eine Diskrepanz von literarischer und realer Existenz, Selbst- und Fremdbild  oder um es mit Paul Watzlawick auszudrücken. „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“

Heute hatte ich nachgelesen, dass der WEG keinesfalls gedacht war, sich auf die Spuren von Thomas Bernhard zu machen. Ich bleibe bei meinem Titel, möchte ich doch am Wochenende das Thomas Bernhard Museum in St. Veit im Pongau und das Symposium besuchen.

copyright: Fotos: Bildkarten vom Thomas Bernhard Weg, gehen denken. Texte aus Thomas Bernhards: Der Untergeher; Thomas Bernhards: Gehen.

Aufstand der Zwerge

Veröffentlicht in Gesehen und geschrieben, Lebenskultur, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags am September 24, 2008 von Marina`s Woertaworld

Einerseits sagt man, ich hätte einen Hang zum Dozieren und herrschaftlichem Auftreten und andereseits sei mir unterwürfiges Treiben auch nicht fremd. Einem kleinwüchsigen, nicht dem Klerus angehörigen Menschen oder Zwerg, wie mich die meisten zu nennen pflegen, ist ein gutes Leben nur möglich, wenn er sich unter den Schutz eines hohen Ranges begibt. So blieb ich Firmian, der Landtagsabgeordnete, meine Spottverse und ganz besonders meine Balladen waren beim Hof des Erzbischofs bekannt und beliebt.

Warum bin ich nur hier gelandet?

Der Trinker und ich leben seit beinahe hundert Jahren im Garten des Schlosses von Max Reinhardt, alle Freunde verschwunden und Feste finden wenige statt. Die Weltmilchnacht, das wäre was, da würde ich eine Ballade auf das Weiß der Festgäste und die milchigweiße Haut der anwesenden Damen vortragen. Sie würden Tränen verschämt aus den Augenwinkeln wischen und die Herren, ja die hätten trotzig die Hände in ihre Taschen geschoben, den Kopf eingezogen und die Zeche bezahlt. Bei der Weltmilchnacht im Juni, 8 Jahre nach der Tausenderwende.

Eine Geschichte würde ich erzählen, die mit allen Farben gemalt und mit allen Wassern gewaschen wäre, wäre ich nicht Gefangener hier im Garten!

Ein Reisender ließ sich nieder und erzählte von einem Aufstand, der in Planung sei. Die Zwerge im Bastionsgarten würden sich langweilen, sie ziehen zum Schloß des Bürgermeisters – Streik nennen sie es heute, ein bisschen wie der Bauernaufstand um 1730. Hoffentlich werden sie nicht des Landes verwiesen, gehören sie doch nicht zur selben Religion wie die Herrschenden. Das gibt Ärger und wir sind nicht dabei.

der Zwillingsbruder des Trinkers

Veröffentlicht in Gesehen und geschrieben, Lebenskultur, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags , am September 19, 2008 von Marina`s Woertaworld

Man munkelt er sei ein Bruder von mir. Und gut soll es ihm gehen, genug zu essen, ausreichend zu trinken soll er auch bekommen. Mir fehlt es auch an nichts, im Keller des Schloßes sind die Weine gelagert und jeden Abend kommen die Befrackten und holen ein Fass. Dabei fällt immer die Ration ab, die ich brauche, um einschlafen zu können.

Firmian jammert ständig und meint, es sei eine schlechte Gewohnheit, täglich zuviel zu trinken. Kampftrinken und Komasaufen nennt er es, er kommt viel rum und hört immer das Neueste. Auf diese Weise würde ich keine weiteren hundert Jahre stramm an der Treppe stehen, die zum Schlossteich führt, ist sein Argument. Und was passieren würde, wenn ich falle, das kann man sich vorstellen. Im Teich würden sie mich versenken, kein Hahn würde nach mir krähen.

Was wollte ich noch sagen? Ja, der Bruder vom Augustinerbräu wurde ins Mirabell geholt, gegen seinen Willen, der Erzbischof verlangte nach ihm. In seine Sammlung soll er, weil angeblich einer fehle, der zotige Sprüche und Lieder singen könne. Als ob das schwierig wäre!
Die sollen mal hören, was hier alles „gesungen“ wird … Geschichten über den kalten Krieg, Sowjetunion hieß das und Ostblock. Aber die waren nicht hier, die anderen, die Kaugummi auf meinen Hut kleben, denn die Fini mühevoll wieder runterschaben muss. Die Fini kennt ihr noch nicht?

Steine am Grab

Veröffentlicht in Gesehen und geschrieben, Worte-Woerter-Wortgebilde, leben mit Tags , am September 16, 2008 von Marina`s Woertaworld

Als Kind wusste ich:
Jeder Schmetterling
den ich rette
jede Schnecke
und jede Spinne
und jede Mücke
jeder Ohrwurm
und jeder Regenwurm
wird kommen und weinen
wenn ich begraben werde.

Einmal von mir gerettet
muß keines mehr sterben
alle werden sie kommen
zu meinem Begräbnis

Als ich dann groß wurde
erkannte ich
Das ist Unsinn.
Keines wird kommen.

copyright: Erich Fried aus: Erich Fried, der literarische Arbeiter, Verlag Wagenbach

Steine sind da
massive Dinger
die mein Grab bedecken
sie liegen
ungeordnet
im Raum
für blauweiße Blüten.

copyright: Marina de Bon

Veröffentlicht in Gesehen und geschrieben, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags , , am September 7, 2008 von Marina`s Woertaworld

Bilder können trösten, nicht heilen.
Sie nehmen das Schwere
und schenken Leichtigkeit,
sie beruhigen das Auge,
und schlucken die Schärfe des Schmerzes.
sie weisen auf Vergängliches,
und holen uns in die Erinnerung.
Sie sind da und trösten.

copyright: Bild: Kortokraks, Ausstellung im Mirabellpavillon, 2008

Auf! in den Kampf…

Veröffentlicht in Gesehen und geschrieben, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags , , , am August 13, 2008 von Marina`s Woertaworld

Ein donnernd Laut erschallt von ihren Lippen,
verdutzt die Ritter aus der Rüstung kippen.

„Ihr Männerrund,
gar toll dem Trunk verbunden,
das Land euch ruft;
der Feind schlägt Vater`s Scholle Wunden!“

„Wohl werdet ihr die Schwerter und die Ross`bereiten
die Tugend eurer Weiber wird den Kampf geleiten.“

„Doch sagt mir doch, ihr arme Toren,
wie wollt ihr blind vom Schnaps und fett vom Fraß
in blutig Stunden
des Feindes Spur erkunden?“

Der Geist verworren
der Feind als Ziel nicht auserkoren.
Doch Lorbeer lockt
man hört der Herrin Stimme:
„Nun sputet euch!“ gebrüllt im Grimme.

Kein Weib darf nun den Saum des Rockes schürzen
es würd den Mann im Kampf ins Unglück stürzen.
Doch ist das Werk wohlfeil getan,
wird manches Weib die Stund des Sieges würzen.

„Was röhrt ihr da, ihr Lumpenpack,
hebt an und lasst dem Feind die Klinge spüren,
den funkelnd Degen vor dem Haupt zum Kampfe führen!“

 

copyright; Marina de Bon

Der Text gehört zu einem Besuch im Steintheater im Hellbrunner Park.

Promenieren beim Leuchtbrunnenkonzert

Veröffentlicht in Gesehen und geschrieben, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags , , am August 7, 2008 von Marina`s Woertaworld

Flanieren und fotografieren,
ist faulenzen, dem Freisein ähnliches Tun.
Sie promenieren auf weichen Sohlen.

Fremden Tönen lauschen und
friedliche Menschen vorbei ziehen lassen.

 

Die Traurigkeit hängt in den roten Ranken,
untergehende Sonne,
leere Gastgärten rufen nach
einsamen Menschen im Park.

 

 

copyright: Marina de Bon

auf den Spuren von Georg Trakl (7)

Veröffentlicht in Gesehen und geschrieben, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags , , , am Juli 26, 2008 von Marina`s Woertaworld

Der Besuch in Hellbrunn „schreit“ nach Sonne und Ruhe, die Stille des Parks schläfert die innere Stimme ein. Es gibt nahe Geräusche, wie das Knirschen vom Kies, wenn einzelne Menschen näher kommen. Das Plätschern des Wassers, welches der „Triton“ speit, ist schon weiter weg. Und ganz entfernt hört man die Motoren der Straße. Eine friedliche Stille, die manchmal durch den jähen Ton einer Lautsprecheranlage unterbrochen wird.
 
„Ich hoffe, es hat Ihnen gefallen, sie wurden etwas erfrischt, wir wünschen Ihnen einen schönen Tag in Salzburg!“ verkündet  in regelmäßigen Abständen eine Männer- oder eine Frauenstimme. Sie führen durch die Wasserspiele des Erzbischofs und manchmal, etwas weiter weg, hört man das Lachen der Besucher, die von den unterschiedlichen Figuren nass gespritzt wurden.
 

Das Gedicht „Die drei Teiche in Hellbrunn“ befindet sich etwas versteckt an der Seitenwand einer ungenutzten Grotte. Es ist, meiner Meinung nach nicht der beste Text von Trakl, vermittelt er doch nicht mehr Bilder, als jene, die im Park ins Auge stechen. Eine Wiederholung und wenig Bewegung.

Ein Gedicht, träge wie die dunklen Fische im Wasser.

… das Gedicht aus der Ferne …
… drei Teiche in Hellbrunn …
… der wasserspeiende Triton plagt sich Tag und Nacht …

… und das Füllhorn, das über unseren Kopf ausgeschüttet wird, wenn wir uns nur nahe genug an das Glück heranwagen. Was nicht immer einfach ist, zugegeben.

 

Die drei Teiche in Hellbrunn

2. Fassung

Hinwandelnd an den schwarzen Mauern
Des Abends, silbern tönt die Leier
Des Orpheus fort im dunklen Weiher
Der Frühling aber tropft in Schauern
Des Nachtwinds silbern tönt die Leier
Des Orpheus fort im dunklen Weiher
Hinsterbend an ergrünten Mauern.

Ferne leuchten Schloß und Hügel.
Stimmen von Frauen, die längst verstarben
Weben zärtlich und dunkelfarben
Über dem weißen nymphischen Spiegel.
Klagen ihr vergänglich Geschicke
Und der Tag zerfließt im Grünen
Flüstern im Rohr und schweben zurücke -
Eine Drossel scherzt mit ihnen.
Die Wasser schimmern grünlichblau
Und ruhig atmen die Zypressen
Und ihre Schwermut unermessen
Fließt über in das Abendblau.
Tritonen tauchen aus der Flut,
Verfall durchrieselt das Gemäuer
Der Mond hüllt sich in grüne Schleier
Und wandelt langsam auf der Flut.

(Georg Trakl)

Dies war das letzte Gedicht von Georg Trakl aus dem Stadtgebiet von Salzburg. Morgen beginnt ein neuer Zyklus.