Archiv nach Kategorie "Lebenskultur"

Entkommen

Veröffentlicht in Gedacht und geschrieben, Lebenskultur, Worte-Woerter-Wortgebilde am Juni 8, 2009 von Marina`s Woertaworld

Vertraue dem Klang echter Worte,
dröhnendes Stampfen verneine,
verlasse den Sog falscher Orte,
schrecklich Erlebtes beweine.

Erkenne die Stärke der Zuversicht,
nörgelnden Zweifeln biete die Stirn,
Mit dem Zorn des Hasses geh ins Gericht,
fege den üblen Spott aus dem Hirn.

Erwecke die Ruhe im sanften Sein,
bedrückende Schwere entblöße,
kläre der Dinge, mein und dein,
ermögliche eigene Größe.

Entwachsen falscher Bescheidenheit,
bist kleinlichem Denken entkommen,
lebe dein Sein in der Heiterkeit,
fühle dich glücklich benommen.

copyright: Marina de Bon

Wörterfriedhof

Veröffentlicht in Gedacht und geschrieben, Lebenskultur mit Tags am März 6, 2009 von Marina`s Woertaworld

Das geschriebene Wort als Hort,
am Friedhof ruhender Gedanken,
still liegt das Wort,
kein Schwanken, keine Regung bewegt
dessen Inhalt vielleicht erregt
den Betrachter.

Die Leser der Worte,
erfinden Orte,
die niemand sah, die keiner hört,
kein Anderer Beachtung gewährt.
Die Leser der Worte erfinden Gestalten,
sie denken an ihres, betrachten,
schalten und walten im Gewühl,
der Imagination.

Die Leser der Worte,
suchen den Wert,
wo keiner war,was niemals ist,
verdreht betrachtet, beurteilt,
der Worte Sinn verwehrt.
Dem Friedhof der Sprache,
in stiller Betrachtung,
die Achtung entbehrt,
niemals Würde gewährt,
dem toten Wort.

copyright: Marina de Bon

ein Schlückchen Glühwein …

Veröffentlicht in Gesehen und geschrieben, Lebenskultur mit Tags , , , am Dezember 21, 2008 von Marina`s Woertaworld

Ein Schlückchen Glühwein,
zwei Früchtespiess
wahrlich, es ist nur das Wetter mies.

Zwei Schlückchen Glühwein,
und Zuckerwaffel
Becher um Becher, gestapelt in Staffel.

Ein Schlückchen Glühwein,
Krippe im Landhaus
 dem Eise verschafft die Wärme den Garaus.

Zwei Schlückchen Glühwein,
Kasperl zur Weihnacht,
die Kinder, die Großen, alles gibt acht.

Ein Schlückchen Glühwein,
zwei Schritte tun.
die Knie gerostet vom langen Ruh`n.

Zwei Schlückchen Glühwein,
an Märkten vorbei,
modern, alternativ, der Pracht allerlei.

Ein Glühwein,
kein Most, die Beeren noch warm.
Adventmarkt in Graz, der Ideen nicht arm.

krippe-in-eis

Text und Bild: copyright Marina de Bon

Selbsterkenntnis

Veröffentlicht in Lebenskultur mit Tags am Oktober 27, 2008 von Marina`s Woertaworld

Selbsterkenntnis ist der beste Weg zur Kenntnis anderer.

Die Kenntnis anderer ist der beste Weg zur Weisheit.

sagt das Bambus Orakel. (Chen)

Wer sich selbst nicht schätzt, verdient es nicht, geschätzt zu werden.
Wer seine Handlungen nicht mit Sorgfalt ausführt, wird Schaden verursachen.
Wer anderes nicht schätzt, verdient es nicht, geschätzt zu werden.

sagt das Bambus Orakel. (PI)

Auch wenn Sie alles voller Sorgfalt ausführen, reicht das nicht. Wenn zur Sorgfalt Liebe kommt, genügt das immer noch nicht. Erst wenn zur Sorgfalt und Liebe die Ehrfurcht tritt, werden sie befähigt sein, alles im rechten Maß schätzen zu können.

aus dem Bambus Orakel.

das Leben verläuft in Wellen

Veröffentlicht in Lebenskultur, leben mit Tags , , am Oktober 1, 2008 von Marina`s Woertaworld

„das Leben verläuft in Wellen, sagte Lenin, und der war nun nicht so besonders klug“, plauderte ein Freund aus dem Baltikum beim heutigen Telefongespräch. Es braucht aussergewöhnliche Lebensbedingungen für ätzenden Spott.

die erste von sieben todsünden

Veröffentlicht in Lebenskultur, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags , , am September 29, 2008 von Marina`s Woertaworld

„Denn wenn einer glaubt,
etwas zu sein,
obschon er nichts ist,
so betrügt er sich selbst“

Etwas sein,
ist schon ganz fein.
doch ist man in der Regel
nicht ganz allein.

Der Stolz hat Geschwister
das ist gemein,
die Hoffart zur Schwester
Überschätzung ist dein.

Absturz und Niedergang
maßlose Pein,
sind Folgen des Stolzes,
so soll es wohl sein.

copyright: Marina de Bon

über die Lebenskunst

Veröffentlicht in Gedacht und geschrieben, Lebenskultur, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags , am September 28, 2008 von Marina`s Woertaworld

Mein Weg in die Kunst des Lebens begann …
 
mit dem ersten Atemzug,
mit dem ersten Schritt in die Welt außerhalb meiner eigenen Wahrnehmung und mit den vielen ersten Malen, die es gab und gibt. Ich fühle mich von der Energie motiviert, die von allem Neuen in Gedanken, Handlungen und Beziehungen ausgeht. Und sei es nur die neue Betrachtung von bereits Bekanntem. Damit komme ich zum nächsten Wegabschnitt.

 „1000 Schritte in den Mokassins des anderen gehen“,
„verstehen ist eine Reise in die Welt des anderen“
und viele andere Zitate, die darauf hinweisen, von der Sichtweise meiner Mitmenschen zu lernen und an der Mitwelt zu partizipieren. Ob es der Austausch von Gedanken ist, das Geben und Nehmen von Gefühlen, das Ballspielen mit Argumenten und die direkte Begegnung in Harmonie und im Konflikt.

Was macht der Streit, der Konflikt und die Konfrontation bei der Lebenskunst?
… als ob der Konflikt der Stock wäre, an dem ich mich festhalten kann, wenn das Gehen zu beschwerlich wird. Gibt der Widerspruch doch den Hinweis auf das Fehlende, das Unvollständige, auf jene mühseligen Gefühle, die gerne verdrängt werden.  Behinderungen des Alltags bewältigen nenne ich meine Konfliktfreudigkeit oder wie es ein Freund heute so schön ausdrückte, „Stolpersteine formen die Treppe, die es zu erklimmen gilt!“

Nachdem ich auf diese Weise bereits zahlreiche Schritte im Leben gegangen war, sozusagen die Mitte erreichte, sagte ich zu mir selbst.

…bisher habe ich verstanden zu leben, jetzt versuche ich das Leben zu verstehen.“
Das erlaubt mir, die Vergangenheit mit Milde zu betrachten, Verständnis für mich selbst und andere zu entwickeln und die nächsten Schritte zu gehen.

… Visionen entwickeln, Ziele festlegen, Maßnahmen setzen, Pläne machen und Ordnung schaffen,
haben durchaus positive Wirkung und nehmen einen wohlerworbenen Platz im ökonomischen Alltag ein. Lebenskünstlerisch gedacht, erschien mir weitaus geeigneter, meine Fähigkeiten zu erforschen,

… daran zu bleiben, nicht aufzugeben und wenn notwendig nicht vorzeitig aufzugeben.
Diese neue Form von Zeitplan bringt mir neben den geplanten Anforderungen des Alltags viel Unbekanntes und Kreatives.

Der letzte Schritt den ich aufgrund einer schweren Erkrankung, meinte, gehen zu müssen hat mir vor Augen geführt,

… daß Lebenskunst endlich ist.
Eine wunderbare Sache, dann die Tatsache, neu beginnen zu dürfen und somit wieder beim Anfang der Geschichte zu stehen, heißt, den ersten Schritt immer wieder von neuem gehen.

… mit dem Unterschied, „daß ich jetzt hege und pflege“,
was ich meinte, unendlich zur Verfügung  zu haben, dazu gehört auch bisher kaum Erwähntes, wie Liebe, Besitz, Kultur, Menschsein, Kinder, Freunde, Sprache…

Ein schönes Blogprojekt von Claudia Klinger,  worauf mich der Blog von Roland Kopp Wichmann aufmerksam gemacht hatte. Es macht Spass, sich über den eigenen Horizont hinaus, vernetzt bewegen zu können, vergass ich zu schreiben, über die Lebenskunst…

copyright: Marina de Bon

Aufstand der Zwerge

Veröffentlicht in Gesehen und geschrieben, Lebenskultur, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags am September 24, 2008 von Marina`s Woertaworld

Einerseits sagt man, ich hätte einen Hang zum Dozieren und herrschaftlichem Auftreten und andereseits sei mir unterwürfiges Treiben auch nicht fremd. Einem kleinwüchsigen, nicht dem Klerus angehörigen Menschen oder Zwerg, wie mich die meisten zu nennen pflegen, ist ein gutes Leben nur möglich, wenn er sich unter den Schutz eines hohen Ranges begibt. So blieb ich Firmian, der Landtagsabgeordnete, meine Spottverse und ganz besonders meine Balladen waren beim Hof des Erzbischofs bekannt und beliebt.

Warum bin ich nur hier gelandet?

Der Trinker und ich leben seit beinahe hundert Jahren im Garten des Schlosses von Max Reinhardt, alle Freunde verschwunden und Feste finden wenige statt. Die Weltmilchnacht, das wäre was, da würde ich eine Ballade auf das Weiß der Festgäste und die milchigweiße Haut der anwesenden Damen vortragen. Sie würden Tränen verschämt aus den Augenwinkeln wischen und die Herren, ja die hätten trotzig die Hände in ihre Taschen geschoben, den Kopf eingezogen und die Zeche bezahlt. Bei der Weltmilchnacht im Juni, 8 Jahre nach der Tausenderwende.

Eine Geschichte würde ich erzählen, die mit allen Farben gemalt und mit allen Wassern gewaschen wäre, wäre ich nicht Gefangener hier im Garten!

Ein Reisender ließ sich nieder und erzählte von einem Aufstand, der in Planung sei. Die Zwerge im Bastionsgarten würden sich langweilen, sie ziehen zum Schloß des Bürgermeisters – Streik nennen sie es heute, ein bisschen wie der Bauernaufstand um 1730. Hoffentlich werden sie nicht des Landes verwiesen, gehören sie doch nicht zur selben Religion wie die Herrschenden. Das gibt Ärger und wir sind nicht dabei.

der Zwillingsbruder des Trinkers

Veröffentlicht in Gesehen und geschrieben, Lebenskultur, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags , am September 19, 2008 von Marina`s Woertaworld

Man munkelt er sei ein Bruder von mir. Und gut soll es ihm gehen, genug zu essen, ausreichend zu trinken soll er auch bekommen. Mir fehlt es auch an nichts, im Keller des Schloßes sind die Weine gelagert und jeden Abend kommen die Befrackten und holen ein Fass. Dabei fällt immer die Ration ab, die ich brauche, um einschlafen zu können.

Firmian jammert ständig und meint, es sei eine schlechte Gewohnheit, täglich zuviel zu trinken. Kampftrinken und Komasaufen nennt er es, er kommt viel rum und hört immer das Neueste. Auf diese Weise würde ich keine weiteren hundert Jahre stramm an der Treppe stehen, die zum Schlossteich führt, ist sein Argument. Und was passieren würde, wenn ich falle, das kann man sich vorstellen. Im Teich würden sie mich versenken, kein Hahn würde nach mir krähen.

Was wollte ich noch sagen? Ja, der Bruder vom Augustinerbräu wurde ins Mirabell geholt, gegen seinen Willen, der Erzbischof verlangte nach ihm. In seine Sammlung soll er, weil angeblich einer fehle, der zotige Sprüche und Lieder singen könne. Als ob das schwierig wäre!
Die sollen mal hören, was hier alles „gesungen“ wird … Geschichten über den kalten Krieg, Sowjetunion hieß das und Ostblock. Aber die waren nicht hier, die anderen, die Kaugummi auf meinen Hut kleben, denn die Fini mühevoll wieder runterschaben muss. Die Fini kennt ihr noch nicht?

Stimmen von Frauen, die längst verstarben

Veröffentlicht in Gedacht und geschrieben, Lebenskultur, leben mit Tags , , , am August 30, 2008 von Marina`s Woertaworld

stimmen von frauen, die längst verstarben

lautet die Zeile in Georg Trakls Gedicht von den drei Teichen in Hellbrunn. Bei der ersten Begegnung mit diesem Gedicht kam mir eine Abwertung in den Sinn, die ich auch sofort niederschrieb. In einem anderen Zusammenhang erscheint mir gerade diese Zeile voller Zärtlichkeit und Wärme. Diese Stimmen der Vergangenheit sind Erlebnisse, Menschen an die wir im Guten denken und deren Stimmen wir hören.

Bestätigende, erklärende,
warnende, beruhigende,
klärende, korrigierende,
bedauernde, verneinende

und Stimmen,
die wir nie mehr hören werden,
die einzig in unserer Erinnerung lebendig sind.

Nicht immer ist der Tod der die Stimmen von den Lebenden trennt, manchmal ist es nur die Entfernung.

text: Marina de Bon
bild: Ausstellung, Pavillon im Mirabellbark, Kortokraks 2008