Archiv für Erzählungen

Wanzengeschichte

Veröffentlicht in Gedacht und geschrieben, Gesehen und geschrieben, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags , , am Juni 15, 2008 von Marina`s Woertaworld

Hallo ihr Lieben,

ich bin Lästi, mein richtiger Name ist Lästwanze, alle sagen Lästi zu mir. Weil ich nie Ruhe gebe und immer wieder zurückkehre. Ich sauge mich an der Kopfhaut von Menschen und Tieren fest, dann kann ich hören was sie denken. Das macht Spass.

Meine Mutter meint dann, „Nimm doch mal eine andere Stelle, zB die Oberschenkel oder Bäuche!“ Es wäre viel ergiebiger, sagt sie, aber ich bleibe bei den Köpfen. Ihr habt keine Ahnung was ich da alles erlebe. Was erlebt man schon auf einem Unterarm?

„Nein, sage ich nein. Ich will lästig sein und gehe immer wieder in die Haare.“Am liebsten mag ich braune dichte, dunkelbraune Haare, da kann ich  mich gut verstecken und ganz lange zuhören, manchmal tagelang.
Rote Weichwanze, Lästwanze

Hier bin ich. Hübsch, n`est ce pas?

„Guuuten Mooorgen, hallooooo guten Moooooorgen, guten MORGENN!!!!“

Hört mich denn niemand? Sind denn alle taub im Menschenland?
Gut, dann eben nicht, wenn sie eine Wanze nicht hören wollt, sind sie selbst schuld. Keine Wanzengespräche in Hinkunft für taube Ohren. Ist doch auch seltsam: „So große Ohren und niiichts HÖRENN.“

Ich bin jetzt ausgeschlafen und habe Hunger. Sprinte mal in den Wald, Saft holen. „Biiirkensaft, der schmeckt GUTT!“

„Jaaaa Birkensaaaaft, mag ich auch am LIEBSTENN!“

„Jeeessas,waaas war denn DASS?

Ich habe doch eine Stimme gehört, keine Menschenstimme, die sind schrecklich, die quicken, brummen und schnurren, je nachdem was sie gerade vom Gegenüber erreichen wollen. Das fällt mir besonders auf, wenn ich in ihren Haaren sitze.

Eine echte Stimme, so wie pieeeeps, piiieps, pieps, grr. Das muss eine Wanzenstimme sein, die haben immer: einen langgezogenen Laut in jedem Satz und dann einen ganz kurzen wie BBRR mit einem harten Doppelbuchstaben am Ende
.
„Haaalo, heee? Wer biiist DUU?“ schreie ich, denn Wanzen haben nie, nie, niemals Angst.

„Stinki, Grünwanze, mein Naaame, hihiHII.“
Grüne Stinkwanze

„Hieeeer biin iich, ICHH.“
„Weeeisst du, iiich stooottere und stiiinke. hihiHII.“
„Und iich habe Huuunger. Weeen du miich mitnimmmmst, siiinge iiich ein LIEDD“

„Guuut koom MITT“!

„Schaaut`s amoi de Wonzn ooon,
wia de Woooonzn toonzn konnN.“

So gingen wir in den Wald, singen und Birkensaft holen. Gell, ihr Menschen, das habt ihr nicht gewusst, dass wir guut singen und tanzen können.

copyright TEXT: Marina de Bon
copyright BILD: Dr. Wilfried Funk

„Kennst duuuu den groooßen RiiiitterRR?“

„Nein Stinki, wer iiist daSS?“

„Naaa RiiiitterRR!“

„Ich weiiss niiiicht wen du meinsTT.“

„Ihn, ebeNN!“
Ritterwanze

Oh Mann oh Mann, so ein schöner Ritter, denkt sich Lästi und läuft in den Birkenwald. Sollen sich die mal alleine unterhalten. Ich habe momentan keine Lust zum Schnattern.

„Haaalooo Ritter,“ meint Stinki, „bist du nicht der Maaaannn dees JaahreSS?“

„Ich, natürrrrliCHHH, das Inseeeekt des JahreSS! antwortet der rotschwarze Ritter, „daaas binn icHH!“

Lästi hat in der Zwischenzeit das Haar eines Wanderers entdeckt und bereits nach Läusen untersucht. Das ist nämlich ihre Lieblingsspeise, die bringt immer die Mutti nach Hause. Doch diese schmecken gar nicht so gut, nicht nach Blattlaus. Und eigentlich sollte sie schon längst zuhause sein. Im September wollte sie in das riesengroße Krautfeld zurückkehren. Ob sie das wohl wiederfinden kann? Aber vielleicht hat dieser Ritter eine Idee? Immerhin schaut er doch so ähnlich aus wie ich, vielleicht hat er eine Ahnung wo mein Zuhause ist? Ich kehre zu den beiden zurück, beschloss Lästi, sprang vom Kopf des Wanderers und sauste los wie ein Pfeil.

Der Wanderer kratzte sich am Kopf, seltsam, welch seltsamen Geräusche und das Kribbeln im Haar. Was war das nur?

das englische Fräulein kehrt zurück

Veröffentlicht in Geschichte, Gesehen und geschrieben, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags am Mai 14, 2008 von Marina`s Woertaworld

Sie bog in die Gasse zum Hauptplatz ein. Vor dem Rathaus standen die Händler in kleinen Gruppen und sprachen aufgeregt miteinander. Das Fräulein hielt sich die Bänder des Kopftuchs fest, es war windig und ein regnerischer Tag zeichnete sich ab.

Sie wandte sich einem Verkaufsstand zu, griff nach dem frisch geschlachtetem Huhn und meinte: „Das nehme ich!“ 3 Münzen gab sie der in wollene Kleider verpackten Frau. Mit dem Huhn im Korb kehrte sie zu den englischen Fräulein zurück.

 

Das englische Fräulein trifft den heiligen Urban

Veröffentlicht in Gesehen und geschrieben, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags , am Mai 10, 2008 von Marina`s Woertaworld

Eine seltsame Geschichte, die sich eines Morgens in einer kleinen Stadt im nördlichen reich zutrug. Sie verließ das Kloster, bog rechts in die nächste Straße ab und ward nicht mehr zu sehen. Ein Sonnenstrahl folgte ihr auf den Fersen. Zwischen den Gassen, die im Gegensatz zu manch mittelalterlicher Stadt relativ breit waren, war dies gar nicht einfach. Zwei Straßen vor dem Hauptplatz blieb sie stehen, blickte kurz nach rechts und links und warf den schnellen Blick nach oben. Mit einem Nicken begleitet war der Augenaufschlag. Er galt dem Urban, der schon seit Jahren auf diesen Platz verbannt war. Am Bischofssitz hinter dem Park wohnte er noch Jahre zuvor, seit dieser Zeit fristete er sein Dasein auf einem kleinen Podest.

Warum musste er nun dieses kleine Haus hüten? Manche behaupten, es wären die kostbaren Fliesen, andere wiederum, zumeist vermummte Gestalten betraten das Haus des Nachts. Dann wurde es für Urban Zeit zum Handeln.