Archiv für Gefühle

Infernales Trio

Veröffentlicht in Gedacht und geschrieben, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags , , , , am Februar 21, 2009 von Marina`s Woertaworld

Im Verborgenen lauert der Spott
die Worte kleben am Hals,
und stecken fest.
Ironie steht am Strassenrand und
winkt, lächelt und vollendet den Rest.

Hohn weckt versteckt
ein Ja, Jawohl, der Zögernden.
Nachsagen statt Widerstand,
Erbärmlichkeit statt Erbarmen,
Jasagen im Unterwerfungsland.

Zynismus ist der Kopf des Trios,
elegant verkleidet, verborgen im Mitleid.
unkenntlich verwirrend, benutzt und verdorben
gibt er der Geschichte das nötige Bild
weise lächelt der Spott, zart und mild.

Er hat es begonnen,
das höllische Tun,
mit Hohn verfeinert
und zynisch zerkleinert,
unser Mitleid zerronnen.
mit Alten, mit Kranken, mit  kranken Alten.

copyright: Marina de Bon

Sinnlichkeit ist wahr-nehmen

Veröffentlicht in Gedacht und geschrieben, Worte-Woerter-Wortgebilde, leben mit Tags , am September 19, 2008 von Marina`s Woertaworld

Zu spüren ist Zufriedenheit,
wer immer stört,
ist Eindringling.

Zu fühlen ist Bescheidenheit,
wer immer drängt,
ist Wüstling.

Zu sehen ist Behutsamkeit,
wer das verhindert,
ist Banause.

Zu spüren ist die Achtsamkeit
wer das vermeidet
ist ein Streber.

Zu hören ist Gewahrsamkeit,
wer das verleugnet,
ist zu laut.

Die Neidgesellschaft von Klaus Bolzano

Veröffentlicht in Gefühle, Gelesen und kommentiert, Lebenskultur mit Tags , , am März 31, 2008 von Marina`s Woertaworld

Klaus Bolzano spricht über eine nationalsozialistische Propaganda, die von vielen unterschätzt wird und zwar über die Begeisterung der Kinder für die Ideologie und den absoluten Wahrheitsanspruch, den man in die Köpfe der Jüngsten gepresst hatte. Nach dem Krieg war mit einem Schlag alles falsch, was bisher für richtig befunden worden war und niemand klärte sie auf, die Zehnjährigen. Warum der Gruss des Führers durch das Grüss Gott, das bis dahin verboten war, abgelöst wurde.

Was war im Gehirn der Kinder nach dem Bruch geschehen und wie wirkte sich diese Indoktrination auf die Einstellungen und Meinungen im Alter aus? Wenn er von der Nachahmungsfähigkeit des Menschen spricht, inwieweit ist der Erwerb im Kindesalter stärker als bewusstes Lernen als Erwachsener? Diese Fragen gelten auch für heutige Erziehung, denn  festgefahrene Überzeugungen sowohl liberaler als auch traditioneller Art wurden mit dem Faschismus nicht abgeschafft.

Doch das ist nicht das eigentliche Thema seines Buches, vielmehr erzählt er über ein häufig verbreitetes Gefühl das menschliches Verhalten diktiert, nämlich den Neid. Niemand sei davor gefeit, dasselbe Objekt zu begehren, das sich bereits im Besitz des anderen befindet.

Die Aufmerksamkeit eines Anderen macht ein Objekt begehrenswert. In diesem Zusammenhang sei es bei Männern der Besitz von Macht  und bei Frauen der Besitz eines Subjekts, sprich den Mann. Wenn es um den Mann geht, werden Frauen neidig, meint er. Einige Frauen im Publikum  lachen an dieser Stelle seines Vortrags im Bildungshaus St. Virgil laut auf. Vielleicht aus Protest, finden es absurd oder weil ihre Gedanken laut ausgesprochen wurden?

Der Grundmechanismus für das Begehren eines Objekts des Anderen liege in der Selbstverachtung und hier werde das Nachahmen von Anderen zur wahnhaften Ideen.  Je größer der Widerstand, desto inniger wird der Besitz oder das Subjekt begehrt. Wenn es nicht mehr zu haben ist, wird es interessant. Die Person nachahmen, die man am meisten verachtet um deren Macht zu erlangen, sei auch ein bekanntes Bild aus der Literatur von Dostoewski oder Heinrich Mann.

Macht ist der Ausgangspunkt für Neid. Die Macht schafft eine Aura, einen Kreis von Auserwählten. Wer dazu gehört ist drinnen und wer ausserhalb steht, ist ein Nichts. Hier erkennt man auch die Ähnlichkeit mit  faschistischem Gedankengut. Eine elitäre Gesellschaft wurde definiert, ein Aussenseiter benannt und die Grenze zwischen beiden dichtgemacht. Der Zugang zu dieser Gesellschaft, der Code war die Selbstverachtung, die Auflösung des Ichs und die absolute Unterwerfung unter das MAN.

Jeder ist gegen jeden und wer nicht pariert wird ausgestossen. MAN ist neidig aufeinander und will das auch besitzen, was der Andere vermeintlich hat. Menschen dieser Kreisstruktur sind zutiefst gedemütigte Menschen.

Erkennt man die Situation ist der Schmerz groß. Man hat nach ANDEREN gelebt und sich selbst verleugnet. Im Selbstwert würde sich die Lösung finden lassen, sofern man die eigene Persönlichkeit im Suchen nach der Anerkennung durch Andere noch findet.

In der liebevollen Nachahmung und im sanften Umgang mit sich selbst ist der Schatz verborgen.

Beschreibung des Buches von  Klaus Bolzano, Die Neidgesellschaft, Goldegg Verlag