Archiv für Georg Trakl

auf den Spuren von Georg Trakl (7)

Veröffentlicht in Gesehen und geschrieben, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags , , , am Juli 26, 2008 von Marina`s Woertaworld

Der Besuch in Hellbrunn „schreit“ nach Sonne und Ruhe, die Stille des Parks schläfert die innere Stimme ein. Es gibt nahe Geräusche, wie das Knirschen vom Kies, wenn einzelne Menschen näher kommen. Das Plätschern des Wassers, welches der „Triton“ speit, ist schon weiter weg. Und ganz entfernt hört man die Motoren der Straße. Eine friedliche Stille, die manchmal durch den jähen Ton einer Lautsprecheranlage unterbrochen wird.
 
„Ich hoffe, es hat Ihnen gefallen, sie wurden etwas erfrischt, wir wünschen Ihnen einen schönen Tag in Salzburg!“ verkündet  in regelmäßigen Abständen eine Männer- oder eine Frauenstimme. Sie führen durch die Wasserspiele des Erzbischofs und manchmal, etwas weiter weg, hört man das Lachen der Besucher, die von den unterschiedlichen Figuren nass gespritzt wurden.
 

Das Gedicht „Die drei Teiche in Hellbrunn“ befindet sich etwas versteckt an der Seitenwand einer ungenutzten Grotte. Es ist, meiner Meinung nach nicht der beste Text von Trakl, vermittelt er doch nicht mehr Bilder, als jene, die im Park ins Auge stechen. Eine Wiederholung und wenig Bewegung.

Ein Gedicht, träge wie die dunklen Fische im Wasser.

… das Gedicht aus der Ferne …
… drei Teiche in Hellbrunn …
… der wasserspeiende Triton plagt sich Tag und Nacht …

… und das Füllhorn, das über unseren Kopf ausgeschüttet wird, wenn wir uns nur nahe genug an das Glück heranwagen. Was nicht immer einfach ist, zugegeben.

 

Die drei Teiche in Hellbrunn

2. Fassung

Hinwandelnd an den schwarzen Mauern
Des Abends, silbern tönt die Leier
Des Orpheus fort im dunklen Weiher
Der Frühling aber tropft in Schauern
Des Nachtwinds silbern tönt die Leier
Des Orpheus fort im dunklen Weiher
Hinsterbend an ergrünten Mauern.

Ferne leuchten Schloß und Hügel.
Stimmen von Frauen, die längst verstarben
Weben zärtlich und dunkelfarben
Über dem weißen nymphischen Spiegel.
Klagen ihr vergänglich Geschicke
Und der Tag zerfließt im Grünen
Flüstern im Rohr und schweben zurücke -
Eine Drossel scherzt mit ihnen.
Die Wasser schimmern grünlichblau
Und ruhig atmen die Zypressen
Und ihre Schwermut unermessen
Fließt über in das Abendblau.
Tritonen tauchen aus der Flut,
Verfall durchrieselt das Gemäuer
Der Mond hüllt sich in grüne Schleier
Und wandelt langsam auf der Flut.

(Georg Trakl)

Dies war das letzte Gedicht von Georg Trakl aus dem Stadtgebiet von Salzburg. Morgen beginnt ein neuer Zyklus.

auf den Spuren von Georg Trakl (6)

Veröffentlicht in Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags , , am Juli 25, 2008 von Marina`s Woertaworld

Die Eisenbahnbrücke beherbergt am Brückenkopf rechts das Gedicht von der Vorstadt.
Ein gruseliger Text, der wie eine Sozialsatire der Jahrhundertwende wirkt.

Am Abend liegt die Stätte öd und braun,
die Luft von gräulichem Gestank durchzogen.
Das Donnern eines Zugs vom Brückenbogen.
Und Spatzen flattern über Busch und Zaun.
Geduckte Hütten, Pfade wirr verstreut,
in Gärten Durcheinander und Bewegung,
bisweilen schwillt Geheul aus dumpfer Regung,
in einer Kinderschar fliegt rot ein Kleid.
Am Kehricht pfeift verliebt ein Rattenchor,
in Körben tragen Frauen Eingeweide,
ein ekelhafter Zug voll Schmutz und Räude,
kommen sie aus der Dämmerung hervor.
Und ein Kanal speit plötzlich feistes Blut.
Vom Schlachthaus in den stillen Fluss hinunter.
Die Föhne färben karge Stauden bunter.
Und langsam kriecht die Röte durch die Flut.
Ein Flüstern, daß in trübem Schlaf ertrinkt.
Gebilde gaukeln auf aus Wassergräben,
vielleicht Erinnerung an ein früheres Leben.
Die mit dem warmen Winden steigt und sinkt.
Aus Wolken tauchen schimmernde Alleen.
Erfüllt von schönen Wägen, kühnen Reitern.
Dann sieht man auch ein Schiff auf Klippen scheitern.
Und manchmal rosenfarbene Moscheen.
(Georg Trakl)

auf den Spuren von Georg Trakl (5)

Veröffentlicht in Uncategorized mit Tags , , am Juli 24, 2008 von Marina`s Woertaworld

Die gotische Schönheit der Franziskanerkirche, inmitten barocker Vielfalt eröffnet sich über den Dächern der Altstadt.

Das Bild wurde auf dem Mönchsberg aufgenommen. Dreht man sich um, erscheint das Gedicht auf dem Mönchsberg. Die Bank ist immer von Pärchen besetzt, es ist auch gar nicht gemütlich hier oben, zu kalt und zu feucht. Der Blick auf die ORF Übertragungswägen lässt ahnen, dass die Festspieleröffnung nicht mehr weit weg ist.

Wo im Schatten verfallener Ulmen der verfallene Pfad hinabsinkt.
Ferne den Hütten von Laub, schlafenden Hirten.
Immer folgt dem Wandrer dunkle Gestalt der Kühle
Über knöchernen Steg die hyazinthene Stimme des Knaben,
leise sagend die vergessene Legende des Wald
sanfter ein krankes nun die wilde Klage des Bruders.
Also rührt ein spärliches Grün das Knie des Fremdlings,
das versteinerte Haupt, näher rauscht der blaue Quell die Klage der Frauen

 (Georg Trakl)

Diesen ungastlichen Platz zu verlassen, kostet keine Mühe, die Clemens Holzmeisterstiege aus Stein gehauen führt mich wieder in die Altstadt. Quer durch das Kloster St. Peter, hinein in den Friedhof, der dem Sommer entsprechend, überquillt von fotografierenden Touristen.

„Das ist doch die Familie von dem Societypaar, nicht wahr!“ fragt die deutsche Touristin ihren Mann. „Wo, auf dem Grabstein!“ Na, die Familie von der Swarovski und dem Gassner, der hieß doch Gassner, oder?“ meinte sie und verlor sich in der Menge.

Bevor ich zu Trakls Gedicht „Im Petersfriedhof“ komme, schaue ich kurz in die Katakomben. Der Eingang zeigt den Totentanz auf Schautafeln in allen Graustufen. Der Ort zeigt sich heute kühl und abweisend.

Die Katakomben erscheinen an die Wand geklebt, unwirklich, wie geschaffen für eine Filmkulisse. Sie sind echt, wie vieles in Salzburg.

auf den Spuren von Georg Trakl (4)

Veröffentlicht in leben mit Tags , , am Juli 23, 2008 von Marina`s Woertaworld

An so einem Tag schickt  man keinen Hund vor die Tür. Daher wird es nur ein nachvollzogener virtueller Spaziergang, so kurz, dass man wahrscheinlich auch ohne Schirm nicht nass werden würde. Nun stellt sich die Frage, ob wir von der Christuskirche mit dem Auto fahren oder zu Fuss an der Salzach entlang gehen, den Blick wiederum auf die grau verhangene Altstadt richtend. Eine kluge Entscheidung, denn der Brunnen am Eingang der Linzergasse ist ansprechend. Das Wasser strahlt in verschiedenen Farben aus dem Boden und  bildet eine Barriere zum Strassenlärm.  Die kurze Überlegung durch den Brunnen zu gehen, eine Versuchung, die einem automatisch beim Betrachten befällt, wird hintangestellt. Trakl wartet an der Fassade der  Apotheke in der Linzer Gasse.

(Georg Trakl)

 

 

 

Im Dunkel von Georg Trakl
Es schweigt die Seele den blauen Frühling.
unter feuchtem Abendgezweig.
Sank in Schauern die Stirne den Liebenden.
Oh das grünend Kreuz. In dunklem Gespräch
erkannten sich Mann und Weib.
An kahler Mauer.
Wandelt mit seinen Gestirnen der Einsame.
Über die mondbeglänzten Wege des Walds'
sank die Wildnis
vergessener Jagden; Blick der Bläue
aus verfallenen Felsen bricht.

auf den Spuren von Georg Trakl (3)

Veröffentlicht in Worte-Woerter-Wortgebilde, leben mit Tags , , am Juli 23, 2008 von Marina`s Woertaworld

Wohin führt der Weg, wenn man das Ziel nicht kennt? Zum nächsten Schritt und weil ich mich nicht entscheiden kann, nehme ich den Weg am Zwerglgarten vorbei, wobei die Tafel von Kaiser Franz Josef ins Auge fällt. Er hatte den Park der Stadt zurückgeschenkt, nachdem Sie 1815 dem Kaiserreich nach Aufgabe des Fürsterzbistums zugefallen war. Nun kann man darüber rätseln ob es nicht eigentlich sowieso dem Land gehört hätte. Aber das ist immer so, irgendwem hat immer irgendetwas gehört. Die Menschen machen zuviel Wirbel aus traditionellem Besitz.

Ich komme nach wenigen Schritten zur Evangelischen Christuskirche. Als gelernte Barockkatholikin war mir das Innere von evangelischen Kirchen anfangs sehr fremd. Mit den Jahren habe ich die Würde und Schönheit einfacher und moderner Kirchenräume schätzen gelernt.

Dieses Gedicht habe ich nicht selbst fotografiert. Unzählige Male fuhr ich daran vorbei, parkte in der Nähe, doch nie war die Zeit oder Geduld, ein Foto zu machen. Nun, die Aufnahme von Arne Mueseler  (www.arne-muesler.eu) ist viel besser als meine. meistens leicht verschwommenen Eindrücke, die über die Digitalkamera laufen.

 (Georg Trakl)

… an der Christuskirche …

auf den Spuren von Georg Trakl (2)

Veröffentlicht in Worte-Woerter-Wortgebilde, leben mit Tags , , , am Juli 22, 2008 von Marina`s Woertaworld

Ein Brunnen singt, die Wolken stehn.
Im klaren Blau, díe weißen, zarten.
Bedächtig stille Menschen gehen
Am Abend durch den alten Garten.

(Georg Trakl)

Dieser Abschnitt beschreibt das Alter des Gartens und ist auch auf das Alter der Spaziergängerinnen bezogen. Bedächtig gehen sie, nicht mehr laut, das Laute haben sie im Laufe der Jahrzehnte eingebüsst.

Der Ahnen Marmor ist ergraut.
Ein Vogelzug streift in die Weiten.
Ein Faun mit toten Augen schaut
Nach Schatten, die ins Dunkel gleiten.

(Georg Trakl)

Das ist wohl einer der Abschnitte, warum die Frau bei Trakls Geburtshaus meinte, die Tafel solle doch in Marmor gemeisselt und nicht in Metall geätzt sein. Marmor und Trakl gehöre irgendwie zusammen.

Das Laub fällt rot vom alten Baum
Und kreist herein durchs offne Fenster.
Ein Feuerschein glüht auf im Raum
Und malet trübe Angstgespenster.
Ein weißer Fremdling tritt ins Haus.
Ein Hund stürzt durch verfallene Gänge.
Die Magd löscht eine Lampe aus,
Das Ohr hört nachts Sonatenklänge.

(Georg Trakl)

Der Weg über die mit Touristen vollgestopfte Judengasse führt zum Kunstwerk an der Staatsbrücke. Ich habe es noch nie genauer betrachtet, die metallenen Sessel sind nicht besonders anziehend und doch bleibe ich einige Minuten sitzen und betrachte „die schöne Stadt“ von dieser Seite der Staatsbrücke. Sie erscheint aufgrund der Betonpfeiler der Brücke grauer und behäbiger als es der Blick vom Makartsteg verspricht.

….aus dem Mirabellgarten…..

Nach wenigen Minuten bin ich im Eingang vom Mirabellgarten und freue mich auf die Tafel und die Bank im Sonnenlicht. Leider ist sie besetzt, ich bleibe eine Weile stehen und lausche der Akkordeonmusik im Hintergrund.

auf den Spuren von Georg Trakl

Veröffentlicht in Gefühle, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags , , am Juli 22, 2008 von Marina`s Woertaworld

Die schöne Stadt

Alte Plätze sonnig schweigen.
Tief in Blau und Gold versponnen
Traumhaft hasten sanfte Nonnen
Unter schwüler Buchen Schweigen.

Aus den braun erhellten Kirchen
Schaun des Todes reine Bilder,
Großer Fürsten schöne Schilder.
Kronen schimmern in den Kirchen.

Rösser tauchen aus dem Brunnen.
Blütenkrallen drohn aus Bäumen.
Knaben spielen wirr von Träumen
Abends leise dort am Brunnen.

Mädchen stehen an den Toren,
Schauen scheu ins farbige Leben.
Ihre feuchten Lippen beben
Und sie warten an den Toren.

Zitternd flattern Glockenklänge,
Marschtakt hallt und Wacherufen.
Fremde lauschen auf den Stufen.
Hoch im Blau sind Orgelklänge.

Helle Instrumente singen.
Durch der Gärten Blätterrahmen
Schwirrt das Lachen schöner Damen.
Leise junge Mütter singen.

Heimlich haucht an blumigen Fenstern
Duft von Weihrauch, Teer und Flieder.
Silbern flimmern müde Lider
Durch die Blumen an den Fenstern.

 

eine umfangreiche Sammlung mit Gedichten von Georg Trakl findet man unter:

http://www.literaturnische.de/Trakl/index-trakl.htm

Wersch Literaturnische

 (Georg Trakl)

Georg Trakls Gedichte sind Musik, Töne aus vergangenen Tagen, die Trauer, Tod und Vergänglichkeit auf einzigartige Weise wirklich machen.

 

 

 

… im Innenhof von Georg Trakls Geburtshaus …