Archiv für salzburg

In der Stille

Veröffentlicht in Gedacht und geschrieben, Literatur mit Tags , , , am April 3, 2009 von Marina`s Woertaworld

„Früher brachte der Lärm die Menschen aus der Ruhe. Heutzutage ist es die Stille.“ (Ernst Ferstl)

Katakomben im Licht

Ich liebe die Stille,
Ruhe ohne Wille,
der Lärm und die Unruh sind eins.

Ich liebe die Ruhe
das Tun ohne Eile
die Hast und das Hetzen,  nicht meins.

Wann ist die Freiheit, des zeitlosen Handelns
wenn Wirken und Wollen,
versunken in Heiterkeit?

 Wo ist die Heimat, befreit von Zerstreuung und Lärm,
wo Hasten und Hetzen,
Seelen verletzen, um jeden Preis?

Wie ist diese Stille
befreit von Sorge und Angst
unendliches Nichts, vernichteter Wille?

 copyright: Marina de Bon

Der Wächter im Garten

Veröffentlicht in Gesehen und geschrieben, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags , , , am März 8, 2009 von Marina`s Woertaworld

hund-im-garten

Du hütest den Garten,

du seltsames Wesen,

betrachtest Besucher

beim Hasten und Warten.

 

 

Bist klein und wichtig,

im Winter und Sommer,

im Herbst und im Frühling

bewachst du, ganz richtig.

 

Am Weg den sie gehen,

die Alten und Jungen,

berühren dich manche

und bleiben stehen.

 

Betrachten die Spiele,

beäugen das Schloss,

bewundern die Teiche,

der Menschen, so viele.

 

Du Wächter im Garten,

erkennst die Gestalten,

betrachtest Gesichter

beim endlosen Warten.

 

Gibst keinen Laut,

und keine Bewegung,

bist stumm du, im Garten

ein Hund nur, der schaut.

 

copyright: Marina de Bon

 

dem Fluss beim Schwimmen zusehen

Veröffentlicht in Gedacht und geschrieben, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags , , am Oktober 6, 2008 von Marina`s Woertaworld

Der rechte Abschluss zur richtigen Zeit oder das Loslassen im rechten Moment.

An der Biegung des Flusses, dort wo der Bach beim oberen Ufer einmündet, setzen wir das Boot aus. Dem Wasser beim Schwimmen zusehen und die Augen in den Fluss tauchen. Wer wäre so dumm die Tropfen zählen zu wollen?

Wir sind darauf bedacht, das Tun in kleinste Tröpfchen zerlegen zu wollen. Wir formulieren Ziele, setzen Maßnahmen und überprüfen die wirtschaftlich ertragreichste Variante unseres Handelns. Das tayloristische Prinzip des arbeitsteiligen Denkens hält Einzug im Alltag, alles wird geplant, Krankheiten wegrationalisiert, das Alter verhindert, die Lebenshaltung minimiert. Ein völlig absurdes Unterfangen, den Inhalt des Swimmingpools in eine Badewanne zu füllen und sich über die randvolle Wanne beklagen.

Bestenfalls hatten wir irgendwann eine Vision, die uns durch das Wasser des Lebens lenkte. Dieses Laternchen am Flussufer, wurde im Zuge der Erhöhung der Fliessgeschwindigikeit des einmündenden Baches wegrationalisiert, das Leuchten der Zukunft zum entbehrlichen Gut erklärt worden. Seither schaukelt das Boot im Dunkeln und die Glühwürmchen erinnern an jene Tage, als wir das Fliessen des Flusses noch spüren konnten.

Das Wasser fehlt so sehr. In Wohlstandsherbergen fließt es stetig über den Beckenrand und versickert in Konsumtempeln.

Wann kehren wir an den Fluss des Lebens zurück und sehen dem Wasser beim Schwimmen zu?

die Salzach und der Kapuzinerberg
  an der Salzach mit Blick auf den Kapuzinerberg

copyright: Marina de Bon

der Zwillingsbruder des Trinkers

Veröffentlicht in Gesehen und geschrieben, Lebenskultur, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags , am September 19, 2008 von Marina`s Woertaworld

Man munkelt er sei ein Bruder von mir. Und gut soll es ihm gehen, genug zu essen, ausreichend zu trinken soll er auch bekommen. Mir fehlt es auch an nichts, im Keller des Schloßes sind die Weine gelagert und jeden Abend kommen die Befrackten und holen ein Fass. Dabei fällt immer die Ration ab, die ich brauche, um einschlafen zu können.

Firmian jammert ständig und meint, es sei eine schlechte Gewohnheit, täglich zuviel zu trinken. Kampftrinken und Komasaufen nennt er es, er kommt viel rum und hört immer das Neueste. Auf diese Weise würde ich keine weiteren hundert Jahre stramm an der Treppe stehen, die zum Schlossteich führt, ist sein Argument. Und was passieren würde, wenn ich falle, das kann man sich vorstellen. Im Teich würden sie mich versenken, kein Hahn würde nach mir krähen.

Was wollte ich noch sagen? Ja, der Bruder vom Augustinerbräu wurde ins Mirabell geholt, gegen seinen Willen, der Erzbischof verlangte nach ihm. In seine Sammlung soll er, weil angeblich einer fehle, der zotige Sprüche und Lieder singen könne. Als ob das schwierig wäre!
Die sollen mal hören, was hier alles „gesungen“ wird … Geschichten über den kalten Krieg, Sowjetunion hieß das und Ostblock. Aber die waren nicht hier, die anderen, die Kaugummi auf meinen Hut kleben, denn die Fini mühevoll wieder runterschaben muss. Die Fini kennt ihr noch nicht?

Promenieren beim Leuchtbrunnenkonzert

Veröffentlicht in Gesehen und geschrieben, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags , , am August 7, 2008 von Marina`s Woertaworld

Flanieren und fotografieren,
ist faulenzen, dem Freisein ähnliches Tun.
Sie promenieren auf weichen Sohlen.

Fremden Tönen lauschen und
friedliche Menschen vorbei ziehen lassen.

 

Die Traurigkeit hängt in den roten Ranken,
untergehende Sonne,
leere Gastgärten rufen nach
einsamen Menschen im Park.

 

 

copyright: Marina de Bon

auf den Spuren von Georg Trakl (7)

Veröffentlicht in Gesehen und geschrieben, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags , , , am Juli 26, 2008 von Marina`s Woertaworld

Der Besuch in Hellbrunn „schreit“ nach Sonne und Ruhe, die Stille des Parks schläfert die innere Stimme ein. Es gibt nahe Geräusche, wie das Knirschen vom Kies, wenn einzelne Menschen näher kommen. Das Plätschern des Wassers, welches der „Triton“ speit, ist schon weiter weg. Und ganz entfernt hört man die Motoren der Straße. Eine friedliche Stille, die manchmal durch den jähen Ton einer Lautsprecheranlage unterbrochen wird.
 
„Ich hoffe, es hat Ihnen gefallen, sie wurden etwas erfrischt, wir wünschen Ihnen einen schönen Tag in Salzburg!“ verkündet  in regelmäßigen Abständen eine Männer- oder eine Frauenstimme. Sie führen durch die Wasserspiele des Erzbischofs und manchmal, etwas weiter weg, hört man das Lachen der Besucher, die von den unterschiedlichen Figuren nass gespritzt wurden.
 

Das Gedicht „Die drei Teiche in Hellbrunn“ befindet sich etwas versteckt an der Seitenwand einer ungenutzten Grotte. Es ist, meiner Meinung nach nicht der beste Text von Trakl, vermittelt er doch nicht mehr Bilder, als jene, die im Park ins Auge stechen. Eine Wiederholung und wenig Bewegung.

Ein Gedicht, träge wie die dunklen Fische im Wasser.

… das Gedicht aus der Ferne …
… drei Teiche in Hellbrunn …
… der wasserspeiende Triton plagt sich Tag und Nacht …

… und das Füllhorn, das über unseren Kopf ausgeschüttet wird, wenn wir uns nur nahe genug an das Glück heranwagen. Was nicht immer einfach ist, zugegeben.

 

Die drei Teiche in Hellbrunn

2. Fassung

Hinwandelnd an den schwarzen Mauern
Des Abends, silbern tönt die Leier
Des Orpheus fort im dunklen Weiher
Der Frühling aber tropft in Schauern
Des Nachtwinds silbern tönt die Leier
Des Orpheus fort im dunklen Weiher
Hinsterbend an ergrünten Mauern.

Ferne leuchten Schloß und Hügel.
Stimmen von Frauen, die längst verstarben
Weben zärtlich und dunkelfarben
Über dem weißen nymphischen Spiegel.
Klagen ihr vergänglich Geschicke
Und der Tag zerfließt im Grünen
Flüstern im Rohr und schweben zurücke -
Eine Drossel scherzt mit ihnen.
Die Wasser schimmern grünlichblau
Und ruhig atmen die Zypressen
Und ihre Schwermut unermessen
Fließt über in das Abendblau.
Tritonen tauchen aus der Flut,
Verfall durchrieselt das Gemäuer
Der Mond hüllt sich in grüne Schleier
Und wandelt langsam auf der Flut.

(Georg Trakl)

Dies war das letzte Gedicht von Georg Trakl aus dem Stadtgebiet von Salzburg. Morgen beginnt ein neuer Zyklus.

Sphaera von Stephan Balkenhol

Veröffentlicht in Gesehen und geschrieben, Worte-Woerter-Wortgebilde mit Tags , am Februar 9, 2008 von Marina`s Woertaworld

„Sphaera“ von Stephan Balkenhol am Kapitelplatz in Salzburg.

ein menschlein voll wehmut wollt grösser sein
meinte ein held wär ein mensch von welt.
Manch einer fühlt sich mal viel zu klein,
möchte dann gerne viel grösser sein.
Stellt sich vielleicht auf die eigene welt,
achtet, dass er nicht runterfällt.

mensch von welt

gepriesen, geachtet als wahrer held
fühlt er sich dann als mensch von welt.
Und fällt er dann einmal von der welt,
nicht turm, nicht welt man(n) dann feste haelt.
Fängt die welt von neuem an,
zum klettern gefordert ist man(n) dann.

Geschunden, verachtet als echter versager
fühlt man(n) sich dann, human etwas mager.
Und wenn man(n) glaubt, dies sei unsere welt
dann wandert er hierher für wenig geld,
versucht den schritt zum held auf dem gold
und achtet dass er nicht runterrollt.
unbemerkt, verborgen im stillen
fühlt man(n) dann wieder eigenen willen.

 startet mit kraft den ersten tritt

 die kugel rollt, man(n) ist nicht mit.

 mensch_von_welt[2]

schade, denn jetzt ist es wirklich vorbei
als mensch von welt
unter der kugel als brei.
Bleib in dieser welt,
ist die moral von der gschicht
ein menschlein voll wehmut,

reicht allemal, nicht?

text und foto, copyright: Marina de Bon

Die Skulpturen von Balkenhol bereichern die Altstadt von Salzburg. Im wahrsten Sinne des Wortes wirkt die goldene Farbe auf den Menschen. Touristen wie Einheimische gehen daran vorbei und diskutieren über die Kugel, sprechen vom Mann von Welt.

 Ein anderes Mal treffe ich die Frau im Felsen und sieben Gedichte von Trakl in Salzburg. Dann erzähle ich wieder mehr davon. Vielleicht auch von den sieben Kraftplätzen, aber das ist wieder eine andere Geschichte.