An der Biegung des Flusses, dort wo der Bach beim oberen Ufer einmündet, setzen wir das Boot aus. Dem Wasser beim Schwimmen zusehen und die Augen in den Fluss tauchen. Wer wäre so dumm die Tropfen zählen zu wollen?
Wir sind darauf bedacht, das Tun in kleinste Tröpfchen zerlegen zu wollen. Wir formulieren Ziele, setzen Maßnahmen und überprüfen die wirtschaftlich ertragreichste Variante unseres Handelns. Das tayloristische Prinzip des arbeitsteiligen Denkens hält Einzug im Alltag, alles wird geplant, Krankheiten wegrationalisiert, das Alter verhindert, die Lebenshaltung minimiert. Ein völlig absurdes Unterfangen, den Inhalt des Swimmingpools in eine Badewanne zu füllen und sich über die randvolle Wanne beklagen.
Bestenfalls hatten wir irgendwann eine Vision, die uns durch das Wasser des Lebens lenkte. Dieses Laternchen am Flussufer, wurde im Zuge der Erhöhung der Fliessgeschwindigikeit des einmündenden Baches wegrationalisiert, das Leuchten der Zukunft zum entbehrlichen Gut erklärt worden. Seither schaukelt das Boot im Dunkeln und die Glühwürmchen erinnern an jene Tage, als wir das Fliessen des Flusses noch spüren konnten.
Das Wasser fehlt so sehr. In Wohlstandsherbergen fließt es stetig über den Beckenrand und versickert in Konsumtempeln.
Wann kehren wir an den Fluss des Lebens zurück und sehen dem Wasser beim Schwimmen zu?

an der Salzach mit Blick auf den Kapuzinerberg
copyright: Marina de Bon